Kroatien 2008

In diesem Jahr wollten wir dann doch mal wieder Segeln fahren. Nach unserem Sturm- Erlebnis in der Türkei haben wir im letzte Jahr bereits eine Pause eingelegt - aber in diesem Jahr sollte es wieder auf Tour gehen. Wir, das sind Markus, Thilo und Christian.

Während Markus und ich in den letzten Jahren schon mal das Los der Törnplanung gezogen hatten und Thilo quasi auf diesem Sektor noch unbefleckt ist,. haben wir uns entschlossen, ihm als Zeichen unseres vollsten Vertrauens gegenüber dem erwählten Skipper die Planung vollständig zu überlassen. Vollständig bedeutet: Thilo: Destination ist Kroatien. Schick uns eine Mail, wenn Du Geld brauchst und sag uns Bescheid, wann wir an welchem Flughafen sein sollen.

Irgendwann kam die Mail und nach einem kurzen Treffen waren die wichtigsten Vorbereitungen getroffen. Wer holt wen ab, was packen wir ein und wer ist während der Fahrt für was verantwortlich. Thilo war bereits als Skipper (eigentlich mehr als Rödel) ausgeguckt, Markus wurde dann am Rudergänger erklärt und Christian (das ist übrigens meiner Einer) zum Navigator. Schön, dann waren die Aufgaben dann wenigsten auch verteilt.

Mit Beginn der Herbstferien (im Altdeutschen: Kartoffel- Ferien) war es dann soweit. Im ersten Herbstnebel überquerten wir auf dem Weg zum Flughafen Köln- Bonn die imaginäre Grenze des Niederrheiners zum Osten Europas: Den Rhein

Rheinbrücke im Nebel

Ein wenig Angst hatten wir ja schon, daß wir dann auch in Kroatien ähnlich bescheidene Wetterverhältnisse vorfinden würden... Und tatsächlich, nach 2 Stunden Flug von Köln- Bonn nach Split fanden wir Wetterverhältnisse vor, die uns spontan an unseren Törn auf der Ostsee im Mai 2003 erinnerten. Zur Erinnerung: Dieser Törn war der angewandte Praxistest, daß Segelkleidung grundsätzlich auch für den Wintersport geeignet ist...

Egal, ändern konnten wir es eh nicht und nach dem Transfer zur Marina konnten wir nach kurzer Zeit bereits auf das gecharterte Boot. Eigentlich ja doch nicht, denn wir hatten zu dritt ein 34 Fuß Schiff gebucht. Das war aber aus irgendwelchen Gründen nicht verfügbar, so das wir ein 36 Fuß Schiff gestellt bekamen. Ein Hauch von Dekadenz war schon zu merken, als wir uns mit 3 Mann auf dem Boot, einer Sun Odyssey 36i, einquartierten.

Wie dem auch sei - der Rest des ersten Tages verbrachten wir mit der Übergabe des Schiffes und dem Einkaufen und Bunkern der Vorräte. Wobei diese Aufgabe diesmal recht übersichtlich ausgefallen war, da wir uns im Vorfeld schon einig waren, spätestens zum Abendessen die heimische Küche in den diversen Restaurants zu probieren.

Gegen Abend ging es mit dem Wassertaxi gemächlich in Richtung der Altstadt von Split. Eine Fahrt, die man mit Sicherheit mal mitgemacht haben sollte - aber auch der Fußweg ist nicht besonders weit dorthin.

 

Split; bzw. die Altstadt hat uns direkt sehr gut gefallen und auch wenn das nicht unbedingt eine Kulturreise werden sollte, bleibt einem hier (wie übrigens in so ziemlich allen weiteren weiteren Häfen) nichts anderes übrig, als sich von der Geschichte in den Bann schlagen zu lassen. Unnötig zu sagen, daß das Essen hervorragend war.

Der nächste Tag brachte eine weltwichtige Veränderung: Das Wetter wurde deutlich besser. Überhaupt ein interessantes Phänomen in der Woche: Jeden Tag sagte der Wetterbericht für den aktuellen Tag recht brauchbares Wetter voraus, aber der nächste Tag - da sollte es immer was auf die Mütze geben.

Brauchbar konnten wir als “T-Shirt und Short- Wetter” mit Temperaturen von 20 plus definieren - genau, was wir uns gewünscht hatte. Überhaupt war jeder Tag fast wieder wärmer als der vorherige...

Tag 2 sollte uns Hvar oder weiter bringen; wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch die Idee, Dubrovnik zu besuchen, was jedoch der bescheidenen Windverhältnisse jedoch bald gestrichen wurde. Wir setzten Kurs an Brac vorbei nach Hvar, um im dortigen Hafen festzustellen, daß man zwar grundsätzlich in der Hafenbucht ankern konnte, aber das irgendwie nicht wirklich im Einklang mit unseren Vorstellungen war. Gegenüber(ca. 2 SM Distanz immerhin) gibt es die Marina Palmizana, die dann doch den Ansprüchen unseres Skippers genügte.

Und - weltwichtig - von Mittags bis 17 : 00 Uhr gab es in der Marina zu einem günstigen Preis fritierte Sardinen. Da wir allerdings einen anderen Preis als für das Essen zahlen sollten, als auf der Tafel angeschlagen, konnten wir uns die Frage nach der Differenz nicht verkneifen. Die ebenso simple wie entwaffnende Antwort der Kellnerin: Alter Preis. Was soll’s - das Essen war sehr lecker und der Preis immer noch in Ordnung...

Der Abstecher nach Hvar war auch kein Problem - zwischen der Marina und dem Hafen pendelten diverse Wasser Taxen. Wir erwischten dann ein deutlich übermotorisierten Radiergummi, dessen Skipper uns im Tiefflug an unser Ziel brachte. Bei der Fahrt gingen mir spontan Bilder der Krimi- Serie Miami Vice durch den Kopf, in welcher der einer oder andere Schmuggler in ähnlichem Tempo durch die Wellen pflügte.

Macht aber nichts - die Hafenmole wurde erklommen und los ging unsere Exkursion. Auch hier waren wir direkt von der Ausstrahlung der Stadt begeistert. Zumindest das, was wir in der kurzen Zeit auf unserem Rundgang sehen konnten. Selbstverständlich durfte eine heimische Gerstenkaltschale in einer die vielen kleinen Kneipen nicht fehlen. Und die waren überhaupt nicht zu verachten. Sowohl die netten Kneipen wie auch das einheimische Bier.

Tag 3 sollte uns nach Korcula bringen - allerdings hatten wir hier mit einem kleinen Problem zu kämpfen. Es war warm, sonnig und - windstill. Jedenfalls fast; zumindest bewegten wir uns unter Segeln eher in der Zeit rückwärts.

Die schlechte Nachricht: Ein Tag unter Motor.

Die gute Nachricht: Unter Motor erreicht man sein Ziel meist schneller.

Gut, zwischendurch kam dann schon mal der Gedanke auf, ob wir nicht besser im nächsten Urlaub ein Motorboot chartern sollten - aber letztendlich hatten wir Korcula am frühen Nachmittag erreicht und so ausgiebig Gelegenheit, dem Hafenkino zu frönen. Nicht, daß wir perfekt sind und das uns keine Fehler unterlaufen. Man könnte es pädagogisch umschreiben, daß man an seiner Umwelt interessiert ist und gerne Erfahrungen austauschen möchte. Richtig wäre eher die Formulierung, daß man der Faszination der Doku- Soap erlegen ist und um nichts in der Welt verpassen möchte, wie beim Anlegen der Festmacher komplett übergeworfen wird...

Wie dem auch sei. Korcula - auch wieder ein nettes Städtchen. Die Marina hatte es uns besonders angetan. Nicht weit von der eigentlichen Stadt entfernt und mit guten Einkaufsmöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung ausgestattet.

Auch heute wurden erst wieder einige Akte Hafenkino abgewartet, bevor wir uns auf den Weg in die Stadt gemacht hatten. Zur gleichen Zeit hat ein Kreuzfahrer seine Gäste ausgespuckt, welche ebenfalls die Stadt bevölkerten und in der Nachsaison für eine ungewöhnliche Betriebsamkeit sorgten.

Nach einer Exkursion rund um die Stadtmauer und sowie kreuz und quer durch den Stadtkern suchten und fanden wir wieder einmal ein nettes Restaurant mit einer noch viel netteren Speisekarte. Die Temperaturen ließen es zu, unmittelbar an der Mauer mit Blick auf das Meer unter freiem Himmel zu speisen - während zur gleichen Zeit die Daheimgebliebenen den Einbruch des Herbstes daran festmachen konnten, daß der Regen schon deutlich kälter wurde.

Für den nächsten Tag stand schon der geordnete Rückzug auf dem Programm. Nach dem ersten Drittel des Törn sollte man sich schon wieder auf den Heimweg machen - man weiß ja nie, ob sich noch Mützenwetter abzeichnet und man gezwungen sein wird, einige Hafenrunden zu drehen. Als Ziel stand Stari Grad auf dem Programm, aber mit bescheidenen 1- 2 Bft. kamen wir auch diesmal nicht rasend vorwärts. Immer den Jockel anzuhaben, war auch nicht unbedingt in unserem Sinn. Zumindest wurde die nicht unberechtigte Anregung laut, beim nächsten Törn doch dann gleich eine Motoryacht zu chartern. Hätte dann auch den Vorteil, daß man sich das lästige Segelsetzen sparen kann.

Letztendlich blieb uns allerdings aber gar nichts anderes übrig, als unter Motor die einer oder andere Meile zurück zu legen. Allerdings haben wir in diesem Verlauf dann auch das geplante Ziel über Bord geworfen und Hvar und damit die uns bereits bekannte Marina Palmizana angesteuert.

Spontanität muß geplant werden - und so wurde der Gedanke, zur Übernachtung in einer der Buchten und / oder im Hafen von Hvar ankernd zu übernachten, von unserem Skipper verworfen. Auch wenn wir sicherlich etwas anderes gedacht hatte - er hatte mit Sicherheit nur unsere Sicherheit im Kopf.

Was da alles hätte passieren können, mag ich mir gar nicht erst ausmalen. Man hört ja immer wieder von den häßlichsten Unfällen beim Aufblasen und Zuwasserlassen des Dinghi’s. Ganz zu schweigen von Freak Waves, die sich auf einsame Yachten spezialisiert haben.

Da konnten wir dann aber von ausgesprochenem Glück reden, daß wir dann noch einen der zahlreichen Stegplätzen ergattern konnten und mit Einstöpseln des Landstromsteckers eine gefühlt symbolische Verbindung zur Welt wieder hatten.

Diesmal hatten wir auf den Besuch der gegenüber liegenden Stadt Hvar und damit auch auf einen Höllentrip mit dem Wassertaxi verzichtet; dafür folgten wir der Karawane auf ausgetretenen Pfaden über den Hügel, wo nach einem knapp 15- minütigen Fußmarsch aus dem Nichts eine Taverne auftauchte. Reichhaltige Speisekarte, kühles Bier, freundliche Menschen - keine Frage, hier haben wir uns direkt wohl gefühlt.

 

Der nächste Tag sollte dann einen relativ kurzen Schlag mit sich bringen. Quasi Inselhopping von Hvar nach Brac. Mehr oder minder unspektakulär machten wir uns auf den Weg nach Milna; immer das Ziel unseres Skippers vor Augen, die abendlich Marina zur besten Kaffee- und Kuchenzeit zu erreichen. Trotz seiner Skepsis nutzen wir diesmal die Segel ausgiebig und erreichten Milna nach 4 Stunden. Pünktlich zum Tee.

Spätestens hier stellten wir uns die Frage, warum alleine der Gedanke an ein Einlaufen in einen Marina nach 17:00 Uhr schon hektische Betriebsamkeit beim Skipper auslöste. Der Gedanke an Ankern zur Abenddämmerung toppte diesen Zustand noch durch Schweißperlen auf der Stirn. So wirklich abschließend konnten wir die Frage nicht klären und so ergaben wir uns der vorgegebenen Rangordnung.

Auch Milna stellte sich als ein schönes Hafendorf da, welches die einen oder anderen kleinen Cafés und Restaurants anzubieten hat.

Der nächste Tag sollte uns nach Trogir bringen. Auch eine überschaubare Distanz; lediglich der Wetterbericht und die bordeigene Wetterstation gab einige - wenn auch imaginäre - Wolken auf. Der Luftdruck fiel bereits seit dem vorherigen Abend und die Prognose kündigte Regen an. Allerdings - das stand schon die ganze Woche auf dem Schirm; insofern hofften wir nur, daß das schlechte oder schlechtere Wetter erst mit unserer Rückkehr zum Ausgangspunkt einsetzt.

Besondere Vorkommnisse auf dem Schlag nach Trogir gab es nicht; Wind war meist ausreichend, Stimmung prima und irgendwie war es trotz weiter fallenden Luftdruck wieder fast wärmer als gestern. Ja, denn ...

Ganz im Sinne des Skipper’s Zeitplan konnten wir in Trogier wieder pünktlich zum Tee festmachen und hatten ausreichend Zeit, noch im Hellen die (Alt-) Stadt zu erkunden.

Zunächst hatten wir Bedenken zur Wahl, denn Trogir und die Marina befindet sich unmittelbar an der Einflugschneise des Flughafens. “Ist ja wie Camping in Düsseldorf - Lohhausen” durfte sich unser Skipper als Kommentar anhören, was allerdings an ihm abprallte wie an der heimischen Schallschutz- Verglasung seiner Wohnräume. In unmittelbarer Nähe zum Düsseldorfer Flughafen.

Die gute Nachricht: Das Verkehrsaufkommen ist in Trogir deutlich geringer und bis auf einige wenige Maschinen hat man von dem Luftverkehr nichts mitbekommen.

Von der ACI Marina ging es über die Brücke in Richtung der historischen Innenstadt. Auch hier waren wir wieder sehr angenehmen von der Kombination aus historischer und moderner Bausubstanz überrascht. Selbstverständlich auch von dem Charme der kleinen Straßencafe’s und - man soll es ja nicht glauben - der Restaurants.

Der nächste Tag war unweigerlich unser letzter Tag auf dem Meer; unser Ziel war die Ausgangsmarina in Split gewesen. Die Distanz zwischen Trogir und Split ist mit 17 SM schon recht übersichtlich - allerdings verlangte der stetig fallende Luftdruck in Verbindung mit der anhaltenden Schwachwind schon nach einer konkreteren Planung. Letztendlich hatten wir uns darauf besonnen, daß wir

a) ein Segelboot gechartert hatten 
b) zum Segeln hier waren 
c) sonst keine weiteren Termine und / oder Verabredungen hatten.

Will heißen: Trotz Schwachwind und in Erwartung einer Schlechtwetterlage haben wir die Strecke unter Segeln bewältigt. Gut, bisweilen hatte man den Eindruck, wir nähern uns eher Trogir als Split - aber der Weg ist das Ziel und knapp 6 Stunden und unter durchqueren eines Regattafeldes konnten wir an unserem Ausgangspunkt festmachen.

Hier machten wir erstmalig eine neue Erfahrung: Während in bisher jeder Marina Hilfestellungen in Bezug auf das Anreichen der Mooringleine entweder durch die “Marineros” oder durch andere Boater gegeben wurde, gehörte es hier zum guten Ton, untätig dem Geschehen zu folgen. Quasi als Test, ob man denn in den letzten Tagen sich als Team eingespielt hat. Ohne uns selbst beweihräuchern zu wollen: Hatten wir. Und nebenbei ohne laute Kommandos.

Festgemacht, Sachen gepackt, klar Schiff gemacht - und voller ungebremster Vergnügungssucht zu Fuß nach Split. Aufgrund der Regatta war es möglich, durch die diversen Einrichtungen der Marina am Wasser entlang zu gehen, was den Fußweg schon erheblich verkürzte. Und wieder ging es kreuz und quer durch die historische Altstadt, wobei wir letztendlich am Luxor verweilten, einem Restaurant in einem Innenhof, welcher die Bühne für sehr talentierte Musiker darstellte. Wirklich unangenehm, zu guter Musik einen Cocktail gereicht zu bekommen...

Der letzte Tag. Das bedeutete: Sachen packen, Boot leeren, Übergabe machen und ab. Theoretisch ins Taxi und dann in den Flieger. Dummerweise hat uns der Skipper & Törnrödel auf die Abendmaschine gebucht.

So lagen zwischen “und ab” und dem Taxi zum Flughafen knapp 7 Stunden, die wir zur erneuten Erkundung von Split genutzt hatten. Diesmal setzte auch (endlich) der seit Tagen angekündigte Regen ein - was aber der Laune keine Abbruch brachte. Im Gegensatz zu den neu angekommenen Charterern, welche mit Sack & Pack in der Marina auf die Übergabe im Regen warteten...

Macht aber nichts - die Zeit ging schneller rum als wir gedacht hatten, was auch daran gelegen hatte, daß sich der Einkauf der obligatorischen Souveniers als deutlich zeitintensiver darstellte als geplant. Insbesondere Thilo hatte seine liebe Not, für seinen Sohn Erik ein passendes Mitbringsel zu finden. Das lag aber auch mehr daran, daß er unseren (pädagogisch wertlosen) Vorschlägen nicht folgen wollte...

Unser Fazit von Kroatien: Jederzeit & immer wieder. Bedenken und Vorbehalte hatten sich in den ersten Tagen in Luft aufgelöst und wir waren uns einig, daß dies unser bislang schönster Törn gewesen war.

Mal sehen, wo es uns als Nächstes hin verschlagen wird!