Kroatien 2008

In diesem Jahr wollten wir dann doch mal wieder Segeln fahren. Nach unserem Sturm- Erlebnis in der Türkei haben wir im letzte Jahr bereits eine Pause eingelegt - aber in diesem Jahr sollte es wieder auf Tour gehen. Wir, das sind Markus, Thilo und Christian.

Während Markus und ich in den letzten Jahren schon mal das Los der Törnplanung gezogen hatten und Thilo quasi auf diesem Sektor noch unbefleckt ist,. haben wir uns entschlossen, ihm als Zeichen unseres vollsten Vertrauens gegenüber dem erwählten Skipper die Planung vollständig zu überlassen. Vollständig bedeutet: Thilo: Destination ist Kroatien. Schick uns eine Mail, wenn Du Geld brauchst und sag uns Bescheid, wann wir an welchem Flughafen sein sollen.

Irgendwann kam die Mail und nach einem kurzen Treffen waren die wichtigsten Vorbereitungen getroffen. Wer holt wen ab, was packen wir ein und wer ist während der Fahrt für was verantwortlich. Thilo war bereits als Skipper (eigentlich mehr als Rödel) ausgeguckt, Markus wurde dann am Rudergänger erklärt und Christian (das ist übrigens meiner Einer) zum Navigator. Schön, dann waren die Aufgaben dann wenigsten auch verteilt.

Mit Beginn der Herbstferien (im Altdeutschen: Kartoffel- Ferien) war es dann soweit. Im ersten Herbstnebel überquerten wir auf dem Weg zum Flughafen Köln- Bonn die imaginäre Grenze des Niederrheiners zum Osten Europas: Den Rhein

Rheinbrücke im Nebel

Ein wenig Angst hatten wir ja schon, daß wir dann auch in Kroatien ähnlich bescheidene Wetterverhältnisse vorfinden würden... Und tatsächlich, nach 2 Stunden Flug von Köln- Bonn nach Split fanden wir Wetterverhältnisse vor, die uns spontan an unseren Törn auf der Ostsee im Mai 2003 erinnerten. Zur Erinnerung: Dieser Törn war der angewandte Praxistest, daß Segelkleidung grundsätzlich auch für den Wintersport geeignet ist...

Egal, ändern konnten wir es eh nicht und nach dem Transfer zur Marina konnten wir nach kurzer Zeit bereits auf das gecharterte Boot. Eigentlich ja doch nicht, denn wir hatten zu dritt ein 34 Fuß Schiff gebucht. Das war aber aus irgendwelchen Gründen nicht verfügbar, so das wir ein 36 Fuß Schiff gestellt bekamen. Ein Hauch von Dekadenz war schon zu merken, als wir uns mit 3 Mann auf dem Boot, einer Sun Odyssey 36i, einquartierten.

Wie dem auch sei - der Rest des ersten Tages verbrachten wir mit der Übergabe des Schiffes und dem Einkaufen und Bunkern der Vorräte. Wobei diese Aufgabe diesmal recht übersichtlich ausgefallen war, da wir uns im Vorfeld schon einig waren, spätestens zum Abendessen die heimische Küche in den diversen Restaurants zu probieren.

Gegen Abend ging es mit dem Wassertaxi gemächlich in Richtung der Altstadt von Split. Eine Fahrt, die man mit Sicherheit mal mitgemacht haben sollte - aber auch der Fußweg ist nicht besonders weit dorthin.

 

Split; bzw. die Altstadt hat uns direkt sehr gut gefallen und auch wenn das nicht unbedingt eine Kulturreise werden sollte, bleibt einem hier (wie übrigens in so ziemlich allen weiteren weiteren Häfen) nichts anderes übrig, als sich von der Geschichte in den Bann schlagen zu lassen. Unnötig zu sagen, daß das Essen hervorragend war.

Der nächste Tag brachte eine weltwichtige Veränderung: Das Wetter wurde deutlich besser. Überhaupt ein interessantes Phänomen in der Woche: Jeden Tag sagte der Wetterbericht für den aktuellen Tag recht brauchbares Wetter voraus, aber der nächste Tag - da sollte es immer was auf die Mütze geben.

Brauchbar konnten wir als “T-Shirt und Short- Wetter” mit Temperaturen von 20 plus definieren - genau, was wir uns gewünscht hatte. Überhaupt war jeder Tag fast wieder wärmer als der vorherige...

Tag 2 sollte uns Hvar oder weiter bringen; wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch die Idee, Dubrovnik zu besuchen, was jedoch der bescheidenen Windverhältnisse jedoch bald gestrichen wurde. Wir setzten Kurs an Brac vorbei nach Hvar, um im dortigen Hafen festzustellen, daß man zwar grundsätzlich in der Hafenbucht ankern konnte, aber das irgendwie nicht wirklich im Einklang mit unseren Vorstellungen war. Gegenüber(ca. 2 SM Distanz immerhin) gibt es die Marina Palmizana, die dann doch den Ansprüchen unseres Skippers genügte.

Und - weltwichtig - von Mittags bis 17 : 00 Uhr gab es in der Marina zu einem günstigen Preis fritierte Sardinen. Da wir allerdings einen anderen Preis als für das Essen zahlen sollten, als auf der Tafel angeschlagen, konnten wir uns die Frage nach der Differenz nicht verkneifen. Die ebenso simple wie entwaffnende Antwort der Kellnerin: Alter Preis. Was soll’s - das Essen war sehr lecker und der Preis immer noch in Ordnung...

Der Abstecher nach Hvar war auch kein Problem - zwischen der Marina und dem Hafen pendelten diverse Wasser Taxen. Wir erwischten dann ein deutlich übermotorisierten Radiergummi, dessen Skipper uns im Tiefflug an unser Ziel brachte. Bei der Fahrt gingen mir spontan Bilder der Krimi- Serie Miami Vice durch den Kopf, in welcher der einer oder andere Schmuggler in ähnlichem Tempo durch die Wellen pflügte.

Macht aber nichts - die Hafenmole wurde erklommen und los ging unsere Exkursion. Auch hier waren wir direkt von der Ausstrahlung der Stadt begeistert. Zumindest das, was wir in der kurzen Zeit auf unserem Rundgang sehen konnten. Selbstverständlich durfte eine heimische Gerstenkaltschale in einer die vielen kleinen Kneipen nicht fehlen. Und die waren überhaupt nicht zu verachten. Sowohl die netten Kneipen wie auch das einheimische Bier.

Tag 3 sollte uns nach Korcula bringen - allerdings hatten wir hier mit einem kleinen Problem zu kämpfen. Es war warm, sonnig und - windstill. Jedenfalls fast; zumindest bewegten wir uns unter Segeln eher in der Zeit rückwärts.

Die schlechte Nachricht: Ein Tag unter Motor.

Die gute Nachricht: Unter Motor erreicht man sein Ziel meist schneller.

Gut, zwischendurch kam dann schon mal der Gedanke auf, ob wir nicht besser im nächsten Urlaub ein Motorboot chartern sollten - aber letztendlich hatten wir Korcula am frühen Nachmittag erreicht und so ausgiebig Gelegenheit, dem Hafenkino zu frönen. Nicht, daß wir perfekt sind und das uns keine Fehler unterlaufen. Man könnte es pädagogisch umschreiben, daß man an seiner Umwelt interessiert ist und gerne Erfahrungen austauschen möchte. Richtig wäre eher die Formulierung, daß man der Faszination der Doku- Soap erlegen ist und um nichts in der Welt verpassen möchte, wie beim Anlegen der Festmacher komplett übergeworfen wird...

Wie dem auch sei. Korcula - auch wieder ein nettes Städtchen. Die Marina hatte es uns besonders angetan. Nicht weit von der eigentlichen Stadt entfernt und mit guten Einkaufsmöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung ausgestattet.

Auch heute wurden erst wieder einige Akte Hafenkino abgewartet, bevor wir uns auf den Weg in die Stadt gemacht hatten. Zur gleichen Zeit hat ein Kreuzfahrer seine Gäste ausgespuckt, welche ebenfalls die Stadt bevölkerten und in der Nachsaison für eine ungewöhnliche Betriebsamkeit sorgten.

Nach einer Exkursion rund um die Stadtmauer und sowie kreuz und quer durch den Stadtkern suchten und fanden wir wieder einmal ein nettes Restaurant mit einer noch viel netteren Speisekarte. Die Temperaturen ließen es zu, unmittelbar an der Mauer mit Blick auf das Meer unter freiem Himmel zu speisen - während zur gleichen Zeit die Daheimgebliebenen den Einbruch des Herbstes daran festmachen konnten, daß der Regen schon deutlich kälter wurde.

Für den nächsten Tag stand schon der geordnete Rückzug auf dem Programm. Nach dem ersten Drittel des Törn sollte man sich schon wieder auf den Heimweg machen - man weiß ja nie, ob sich noch Mützenwetter abzeichnet und man gezwungen sein wird, einige Hafenrunden zu drehen. Als Ziel stand Stari Grad auf dem Programm, aber mit bescheidenen 1- 2 Bft. kamen wir auch diesmal nicht rasend vorwärts. Immer den Jockel anzuhaben, war auch nicht unbedingt in unserem Sinn. Zumindest wurde die nicht unberechtigte Anregung laut, beim nächsten Törn doch dann gleich eine Motoryacht zu chartern. Hätte dann auch den Vorteil, daß man sich das lästige Segelsetzen sparen kann.

Letztendlich blieb uns allerdings aber gar nichts anderes übrig, als unter Motor die einer oder andere Meile zurück zu legen. Allerdings haben wir in diesem Verlauf dann auch das geplante Ziel über Bord geworfen und Hvar und damit die uns bereits bekannte Marina Palmizana angesteuert.

Spontanität muß geplant werden - und so wurde der Gedanke, zur Übernachtung in einer der Buchten und / oder im Hafen von Hvar ankernd zu übernachten, von unserem Skipper verworfen. Auch wenn wir sicherlich etwas anderes gedacht hatte - er hatte mit Sicherheit nur unsere Sicherheit im Kopf.

Was da alles hätte passieren können, mag ich mir gar nicht erst ausmalen. Man hört ja immer wieder von den häßlichsten Unfällen beim Aufblasen und Zuwasserlassen des Dinghi’s. Ganz zu schweigen von Freak Waves, die sich auf einsame Yachten spezialisiert haben.

Da konnten wir dann aber von ausgesprochenem Glück reden, daß wir dann noch einen der zahlreichen Stegplätzen ergattern konnten und mit Einstöpseln des Landstromsteckers eine gefühlt symbolische Verbindung zur Welt wieder hatten.

Diesmal hatten wir auf den Besuch der gegenüber liegenden Stadt Hvar und damit auch auf einen Höllentrip mit dem Wassertaxi verzichtet; dafür folgten wir der Karawane auf ausgetretenen Pfaden über den Hügel, wo nach einem knapp 15- minütigen Fußmarsch aus dem Nichts eine Taverne auftauchte. Reichhaltige Speisekarte, kühles Bier, freundliche Menschen - keine Frage, hier haben wir uns direkt wohl gefühlt.

 

Der nächste Tag sollte dann einen relativ kurzen Schlag mit sich bringen. Quasi Inselhopping von Hvar nach Brac. Mehr oder minder unspektakulär machten wir uns auf den Weg nach Milna; immer das Ziel unseres Skippers vor Augen, die abendlich Marina zur besten Kaffee- und Kuchenzeit zu erreichen. Trotz seiner Skepsis nutzen wir diesmal die Segel ausgiebig und erreichten Milna nach 4 Stunden. Pünktlich zum Tee.

Spätestens hier stellten wir uns die Frage, warum alleine der Gedanke an ein Einlaufen in einen Marina nach 17:00 Uhr schon hektische Betriebsamkeit beim Skipper auslöste. Der Gedanke an Ankern zur Abenddämmerung toppte diesen Zustand noch durch Schweißperlen auf der Stirn. So wirklich abschließend konnten wir die Frage nicht klären und so ergaben wir uns der vorgegebenen Rangordnung.

Auch Milna stellte sich als ein schönes Hafendorf da, welches die einen oder anderen kleinen Cafés und Restaurants anzubieten hat.

Der nächste Tag sollte uns nach Trogir bringen. Auch eine überschaubare Distanz; lediglich der Wetterbericht und die bordeigene Wetterstation gab einige - wenn auch imaginäre - Wolken auf. Der Luftdruck fiel bereits seit dem vorherigen Abend und die Prognose kündigte Regen an. Allerdings - das stand schon die ganze Woche auf dem Schirm; insofern hofften wir nur, daß das schlechte oder schlechtere Wetter erst mit unserer Rückkehr zum Ausgangspunkt einsetzt.

Besondere Vorkommnisse auf dem Schlag nach Trogir gab es nicht; Wind war meist ausreichend, Stimmung prima und irgendwie war es trotz weiter fallenden Luftdruck wieder fast wärmer als gestern. Ja, denn ...

Ganz im Sinne des Skipper’s Zeitplan konnten wir in Trogier wieder pünktlich zum Tee festmachen und hatten ausreichend Zeit, noch im Hellen die (Alt-) Stadt zu erkunden.

Zunächst hatten wir Bedenken zur Wahl, denn Trogir und die Marina befindet sich unmittelbar an der Einflugschneise des Flughafens. “Ist ja wie Camping in Düsseldorf - Lohhausen” durfte sich unser Skipper als Kommentar anhören, was allerdings an ihm abprallte wie an der heimischen Schallschutz- Verglasung seiner Wohnräume. In unmittelbarer Nähe zum Düsseldorfer Flughafen.

Die gute Nachricht: Das Verkehrsaufkommen ist in Trogir deutlich geringer und bis auf einige wenige Maschinen hat man von dem Luftverkehr nichts mitbekommen.

Von der ACI Marina ging es über die Brücke in Richtung der historischen Innenstadt. Auch hier waren wir wieder sehr angenehmen von der Kombination aus historischer und moderner Bausubstanz überrascht. Selbstverständlich auch von dem Charme der kleinen Straßencafe’s und - man soll es ja nicht glauben - der Restaurants.

Der nächste Tag war unweigerlich unser letzter Tag auf dem Meer; unser Ziel war die Ausgangsmarina in Split gewesen. Die Distanz zwischen Trogir und Split ist mit 17 SM schon recht übersichtlich - allerdings verlangte der stetig fallende Luftdruck in Verbindung mit der anhaltenden Schwachwind schon nach einer konkreteren Planung. Letztendlich hatten wir uns darauf besonnen, daß wir

a) ein Segelboot gechartert hatten 
b) zum Segeln hier waren 
c) sonst keine weiteren Termine und / oder Verabredungen hatten.

Will heißen: Trotz Schwachwind und in Erwartung einer Schlechtwetterlage haben wir die Strecke unter Segeln bewältigt. Gut, bisweilen hatte man den Eindruck, wir nähern uns eher Trogir als Split - aber der Weg ist das Ziel und knapp 6 Stunden und unter durchqueren eines Regattafeldes konnten wir an unserem Ausgangspunkt festmachen.

Hier machten wir erstmalig eine neue Erfahrung: Während in bisher jeder Marina Hilfestellungen in Bezug auf das Anreichen der Mooringleine entweder durch die “Marineros” oder durch andere Boater gegeben wurde, gehörte es hier zum guten Ton, untätig dem Geschehen zu folgen. Quasi als Test, ob man denn in den letzten Tagen sich als Team eingespielt hat. Ohne uns selbst beweihräuchern zu wollen: Hatten wir. Und nebenbei ohne laute Kommandos.

Festgemacht, Sachen gepackt, klar Schiff gemacht - und voller ungebremster Vergnügungssucht zu Fuß nach Split. Aufgrund der Regatta war es möglich, durch die diversen Einrichtungen der Marina am Wasser entlang zu gehen, was den Fußweg schon erheblich verkürzte. Und wieder ging es kreuz und quer durch die historische Altstadt, wobei wir letztendlich am Luxor verweilten, einem Restaurant in einem Innenhof, welcher die Bühne für sehr talentierte Musiker darstellte. Wirklich unangenehm, zu guter Musik einen Cocktail gereicht zu bekommen...

Der letzte Tag. Das bedeutete: Sachen packen, Boot leeren, Übergabe machen und ab. Theoretisch ins Taxi und dann in den Flieger. Dummerweise hat uns der Skipper & Törnrödel auf die Abendmaschine gebucht.

So lagen zwischen “und ab” und dem Taxi zum Flughafen knapp 7 Stunden, die wir zur erneuten Erkundung von Split genutzt hatten. Diesmal setzte auch (endlich) der seit Tagen angekündigte Regen ein - was aber der Laune keine Abbruch brachte. Im Gegensatz zu den neu angekommenen Charterern, welche mit Sack & Pack in der Marina auf die Übergabe im Regen warteten...

Macht aber nichts - die Zeit ging schneller rum als wir gedacht hatten, was auch daran gelegen hatte, daß sich der Einkauf der obligatorischen Souveniers als deutlich zeitintensiver darstellte als geplant. Insbesondere Thilo hatte seine liebe Not, für seinen Sohn Erik ein passendes Mitbringsel zu finden. Das lag aber auch mehr daran, daß er unseren (pädagogisch wertlosen) Vorschlägen nicht folgen wollte...

Unser Fazit von Kroatien: Jederzeit & immer wieder. Bedenken und Vorbehalte hatten sich in den ersten Tagen in Luft aufgelöst und wir waren uns einig, daß dies unser bislang schönster Törn gewesen war.

Mal sehen, wo es uns als Nächstes hin verschlagen wird!

 

Türkei 2006

Segeltörn Türkei 2006

Für die 2. Ferienwoche der Herbstferien hatten wir uns ein Boot in Göcek für eine Woche gechartert, um kurz vor dem anstehenden Winter noch einmal Sonne zu tanken und ein wenig die Seele baumeln zu lassen. Wir, das sind - wie im letzten Jahr auch - Markus, seine Frau Ellen, die beste meiner Hälften Yvonne und ich.

Gebucht hatten wir über Argos Yachtcharter eine Dehler 35; die Abwicklung vor Ort hat die Firma Pupa Yachting vorgenommen; beide kann man ohne Bedenken weiterempfehlen. Bereits mit der Buchung der Flüge sind die ersten Komplikationen aufgetaucht: Der Hinflug war kein Problem, aber die Rückflüge zum Ende der Herbstferien in Nordrhein- Westfalen waren zunächst alle ausgebucht.Der Plan lautete, mit dem Flieger nach Dalaman zu fliegen, mit dem Taxi zum Hafen und dann - je nach Wind und Wetter - zu entscheiden, in welche Richtung gesegelt werden soll bei welchen Distanzen.

Der Empfehlung von Argos folgend, haben wir uns dadurch nicht beirren lassen; auch nicht von der Tatsache, daß unsere Rückflüge erst einmal nur bis Stuttgart gingen. Wenige Tage vor dem Start war dann aber dann doch eine Umbuchung für uns 4 nach Düsseldorf möglich...

Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Anreise - und auch im Zeichen der Verspätungen. Allerdings weniger auf der Seite unseres Reisezieles (wie der eine oder andere sicherlich unterschwellig erwartet hat), sondern auf der Seite von Condor. Aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen hat der Verantwortliche für die Personalplanung leider nicht bedacht, daß so ein Flieger eine gewisse Crewgrösse braucht - um zum Erreichen eben dieser mußte noch Personal aus Frankfurt eingeflogen werden.

Eigentlich auch egal; wir hatten eh nicht geplant, am gleichen Tag noch die Übergabe und den Einkauf der Lebensmittel über die Bühne zu bringen. War nur ein wenig unangenehm für Murat von Pupa Yachting, daß er deutlich außerhalb der regulären Arbeitszeit uns noch an den Anleger kommen und uns eine Kurzeinweisung geben mußte.

Nachdem wir unsere 7 Sachen verstaut hatten und der Magen so langsam den Relingsdraht aufscheuerte, haben wir uns aufgemacht, noch ein nettes Restaurant zu finden. Das ist direkt am Yachthafen auch kein Problem und mitten im Fastenmonat Ramadan spielt sich eh das Leben nach Sonnenuntergang ab.

Allerdings - der erste Zahn war dann auch schnell gezogen. Wer der Ansicht ist., daß ein Restaurantbesuch in der Türkei deutlich preiswerter ist als in heimischen Gefilden, der wird schnell eines besseren belehrt. Wenn wir das richtig mitbekommen haben, sollte man sich zur Vermeidung von unliebsamen Überraschungen auf der Rechnung schon im Vorfeld über das gewünschte Essen, den Preis und auch darüber unterhalten, ob denn im Preis bereits der Service inbegriffen ist oder noch zusätzlich berechnet wird.

Zugegebenermaßen hatten wir das in den ersten Stunden unseres Aufenthaltes nicht drauf und so kam es dann, wie es mußte: Wir hatten zwar königlich gespeist, aber ebenso auch bezahlt.

Was soll’s, wir sind schließlich nicht zum Sparen in den Urlaub gefahren...

Der 2. Tag begann für uns alle früh. Sehr früh... Gegen 05:30 wurde zum Gebet gerufen. Über Lautsprecher. Den Turm unmittelbar am Hafen hatte zwar am Abend zuvor noch realisiert, aber im Leben nicht damit gerechnet, wenige Stunden später aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden - und das mit einer gefühlten Entfernung zur Schallquelle von 26 cm...

Wenigstens hatte dies den Vorteil, daß wir auch recht früh auf den Beinen waren und in Ermangelung von eigenen Vorräten ein Café zum Frühstücken aufsuchten. Frisch gestärkt wurden dann die Einkäufe besorgt (welche übrigens recht zentral erledigt werden können; die Händler bringen die Einkäufe auch zum Boot) und verstaut.

Mit wenig Wind ging es dann gegen frühen Nachmittag entspannt los; Richtung Osten mit dem Ziel Fethiye. Mit 3 Knoten Fahrt eine sehr entspannte Tour. Am frühen Abend - Sonnenuntergang steht in diesen Tagen so rund um 19 00 Uhr auf dem Plan - erreichten wir Fethiye und machten hier an der kleinen “Yes- Marina” fest. Zwar bietet die Marina bestenfalls 30 Booten Platz - aber hier fühlt man sich nicht zuletzt Dank der zuvorkommenden Bewirtung der Betreiber schnell sehr wohl.


Das war dann aber zum Glück doch nicht der Fall - und wir nahmen auf der Terrasse des Restaurant Arena ein sehr leckeres, türkisches Abendessen zu uns.Die etwas außerhalb liegende Lage war für uns gleichsam der Anlaß, uns bei dem Fußweg zum Centrum ein wenig Bewegung zu verschaffen. Hier gab es neben einer Unmenge an Restaurants mindestens ebensoviele Geschäfte - und ganz besonders gefährlich waren die Süßigkeiten Geschäfte. Wegen Markus. Für die Geschäfte. Markus ließ sich nicht zweimal bitten, wenn es etwas zu probieren gab und für etwas mehr als eine Sekunde hatte ich den Eindruck, daß er seinen abendlichen Appetit mit Turkish Delight stillen würde.

Auf dem Rückweg zur Yes- Marina probierten wir etwas für uns Neues: Den Otobus. Transporter mit Sitzplätzen, die ohne festen Fahrplan und noch weniger festen Haltestellen halbwegs von A nach B fuhren - und das für einen sehr geringen Preis. Waren Passanten an der Straße, so wurde kurz gehupt und bei Interesse konnte man zusteigen. Für den klassisch TÜV- Vorschriften geprägten Germanen schwer zu realisieren - aber es funktioniert, ist preiswert - und macht Spaß. Vielleicht kann der eine oder andere Mitarbeiter im ÖPNV dies in das innerbetriebliche Vorschlagswesen aufnehmen...

Der 3. Tag begann mit einem türkischen Frühstück in der Marina. Eigentlich hatten wir dies für 09 00 Uhr bestellt - aber heute war uns mal nach ausschlafen. Das mit dem Frühstück wurde dann auf 11 00 Uhr verschoben - was aber auch den Jungs von der Marina sehr in den Kram paßte.

Nach einer eingehenden Wetterberatung (auf die Frage nach dem Wetter wurde erst mal der Laptop gestartet und die verschiedensten Wetterseiten aufgerufen) haben wir uns dann doch gegen 13 00 Uhr auf den Weg gemacht. Das war auch nicht weiter tragisch, denn unser Tagesziel war die Gemiller Reede. Auf dem Landweg irgendwas um die 15 km; auf dem Seeweg immerhin 23 NM. Mit entspannten 2- 3 Windstärken hatten wir einen schönen Segeltag in einer beindruckenden Landschaft.

Zu unserem Ziel, Gemiler Reede, hatte ich leider einige entscheidende Informationen zu diesem Zeitpunkt noch nicht erhalten, aber der Reihe nach...

Gemiler; bzw. die Bucht ist nach dem klassischen Törnführer “Andrea Horn” für die Gegend in 3 Bereiche A, B und C unterteilt. Was mit C war, kann ich mich nicht mehr entsinnen, B war ein nettes, aber teureres Restaurant mit Blick auf die Ruinen und A eine nette Restaurant- Ruine.

Leider habe ich die Seite Insidersegeln.de erst nach unserem Törn gelesen, sonst hätten wir vorher schon gewußt, was es mit den Lebensmittelverkäufern auf sich hat. Bei uns war es ein Motorboot, welches uns zunächst Eis verkaufen wollte. Als wir ablehnten, drängt er förmlich seine Hilfe für die Aufnahme der Mooringleine und das Ausbringen der Landleine auf. Nichtsahnend haben wir die Hilfe dankbar angenommen und nach dem Vertäuen dann doch ein Eis gekauft. Preis - einschließlich der Hilfe beim Ausbringen der Leinen: 28 Neue Türkische Lira. Irgendwas um die € 30,00. Was wir allerdings erst nach dem Bezahlen realisiert hatten. War schon blöd von uns, uns so überrumpeln zu lassen - und so es ein nächstes Mal gibt, werden wir hier Bescheid wissen.

Den Abend in der Restaurant- Ruine haben wir uns hierdurch nicht verderben lassen und aus der übersichtlichen Speisekarte des Holzofens unsere Favoriten ausgesucht. Das Restaurant - nur mit dem Dinghi zu erreichen - war auf seine Weise urig und zusammen mit den Crews der anderen dort ankernden Boote war es ein netter Abend. Kulinarische Highlights sollte man hier allerdings nicht erwarten.

Tag 4 sollte ein langer Schlag werden. Von Gemiller aus in Richtung Osten ist lange Zeit erst mal ganz viel nichts. Hafentechnisch gesehen, zumindet. Kalkan sollte unser Ziel sein Nach knapp 12 NM segeln unter langsam weiter einschlafendem Wind haben wir uns dann notgedrungen damit abgefunden, daß wir unser Ziel nur dann bei Tageslicht erreichen können , wenn wir den Jockel anwerfen. Tatsächlich haben wir in Kalkan pünktlich zum Sonnenuntergang einen Liegeplatz ergattert. Der Hafen war mit ziemlich vielen Gulets belegt und wir haben im Eingangsbereich quasi in der zweiten Reihe festmachen können.

Kalkan stand auch zum Auffüllen der flüssigen Vorräte auf dem Plan; aus uns nicht nachvollziehbaren Gründen war das Frischwasser leer, welches bei der Übergabe (mit defekte Anzeige) randvoll gewesen war. Das der Vorrat an Efes, Eistee und Cola zur Neige ging, konnten wir hingegen sehr gut nachvollziehen. Auch wenn beim Efes ein ungläubiges Raunen durch die Crew ging... Leider hat sich beim Befüllen des Frischwassertanks; bzw. beim Verschließen desselbigen der Tankdeckel entschieden, in Kalkan zu bleiben. Einmal ungeschickt mit dem Schlüssel angesetzt und der Deckel verschwand im (steil abfallenden) Wasser auf Nimmerwiedersehen. So schlimm waren wir nun auch nicht, daß die Ausrüstung die Flucht ergreifen mußte...

In der Stadt haben wir uns auf die Suche nach einem netten Restaurant gemacht, doch irgendwie paßte heute so schnell kein Restaurant den Vorstellungen - auch wenn zweifelsohne die eine oder andere nette Taverne auf dem Weg lag. Auch eine Beratung des türkischen Inhabers der Tauchbasis, welcher hervorragendes Deutsch mit Münchener Dialekt sprach, brachte uns nicht rasend vorwärts - bis wir ein wenig versteckt in der zweiten Reihe der Hafenmeile das Restaurant “Deniz” fanden. Wir waren zwar die einzigen Gäste - aber hatten die Entscheidung, hier zu speisen, nicht bereut.

Tag 5 sollte unweigerlich den Rückweg bringen. Wir hatten schließlich schon gegen die Grundregel “1/3 der Fahrt für den Hinweg und 2/3 der Fahrt für den Rückweg” verstoßen. Das Wetter sah am Morgen nicht wirklich klasse aus und Fallboen machten das Liegen im Hafen zu einem kleinen Abenteuer. Ein Wetterbericht war vor Ort nicht zu erhalten und über das Internet wurde Windstärke 2 bis 4 mit Regen angekündigt. Lediglich ein Fischer sagte uns, daß es nicht gut aussehen würde - war wir allerdings zu diesem Zeitpunkt auf den angekündigten Regen geschoben hatten.

Nach dem Auslaufen gegen 10:00 konnten wir unseren Kurs Richtung Westen bei Windstärke 3- 4 mehr oder minder gemütlich segeln. Gegen 14:00 schlief der Wind ein und wir mußten zum Erreichen unseres Tagesziels mal wieder den Motor anwerfen. So um 15:30 frischte der Wind wieder auf und wir entschieden uns, mit der Fock den Vorwindkurs beizubehalten. Irgendwie fand ich es schon seltsam, daß wir langsam, aber sicher, nur mit der kleinen Fock auf knapp 6 Knoten beschleunigten.

Als ich mich umdrehte, sah ich, wie sich eine breite Linie von Schaumkronen in nicht allzu weiter Entfernung uns näherten. In Rekordgeschwindigkeit wurde die Fock eingeholt und der Motor angeworfen. Schon befanden wir uns in den ersten Schaumkronen und der Wind hatte deutlich aufgefrischt.

Das Boot und die Mannschaft wurde sturmklar gemacht; Schwimmweste und Lifebelt wurde angelegt. Markus übernahm das Ruder und ich verschwand unter Deck für die Navigation. Auch wenn mir das Geschaukel nicht besonders viel ausmacht, ist es nicht wirklich angenehm, bei extremer Krängung sich am Navitisch festzutackern und alle paar Minuten seine durch die Gegend fliegenden Arbeitsgeräte einzusammeln.

Wir konnten uns zunächst nicht entscheiden, ob ein Kurs weiter unter Land ruhigeres Fahrwasser mit sich bringen würde, aber letztendlich haben wir uns zur Vermeidung einer Legerwall- Situation entschieden, mit deutlichen Abstand zur Küstenlinie zu fahren.

Von oben hörte ich immer wieder die Flüche von Markus am Ruder (O- Ton: Himmel, Arsch und Zwirn - das haben wir nicht gebucht!). Yvonne war damit beschäftigt, den Lifebelt von Markus aus der Radsteuerung zu halten und Ellen sagte die von achtern ankommenden Wellen, welche Höhen von geschätzten 5 bis 7 Metern erreichten, an. Überhaupt haben sich die Mädels in dieser Situation wacker geschlagen!

Über UKW waren die ersten Notrufe von anderen Schiffen zu hören. Zunächst hatte es den Anschein, daß die anderen Stationen den Ernst der Lage nicht wirklich realisierten. Notrufe wurden mit allgemeinen Anrufen überlagert. Ich konnte einen Notruf von einem Schiff nur teilweise empfangen und mußte die anderen Schiffe bitten, sich zurück zuhalten. Erstaunlich, nach dem “Mayday Silence” konnte man schon feststellen, daß auch die anderen Stationen sich der Lage bewußt wurden...

Während Markus mittlerweile im strömenden Regen (P- Ton: So’n Scheiß, das haben wir doch gar nicht gebucht!) weiterhin durch die tobende See motorte und sich auf meine Positionsangaben verließ, empfing ich den 3. Notruf; diesmal eine Yacht, die mit Motorausfall auf Felsen einer vorgelagerten Insel in dem Golf von Fethiye getrieben wurden und nun das sinkende Schiff verließen.

So gut es ging, haben wir den empfangenen Notruf weitergeleitet - in der Hoffnung, daß die letztendlich aufnehmende Stelle auch in der Lage ist, die Rettungskräfte zu informieren. Wie wir später erfahren haben, ist das Schiff gesunken und der Skipper mußte schwerverletzt mit einem Hubschrauber abgeborgen werden.

Letztendlich haben wir es dann doch geschafft, aus eigener Kraft nach Fethiye zu kommen. Auch hier konnten man an den Uferbebauungen sehen, daß der Sturm hier durchgezogen war. Wo vor wenigen Tagen noch ein Zelt neben einem Hotel stand, war nun nur noch ein Gerüst mit Stoffetzen zu sehen.

In dieser Zeit sind im näheren Umkreis 8 Mayday’s gesendet worden, 2 Schiffe gesunken, 1 Skipper per Hubschrauber geborgen worden und bei einer Anzahl von Schiffen die Segel zerfetzt worden. Nicht schlecht für angekündigte 2- 4 Windstärken und Regen...Froh, dieses Unwetter ohne Schaden für Crew und Schiff überstanden zu haben, machten wir an der uns bereits gut bekannten Yes- Marina fest. Nachdem wir uns sortiert, Land unter den Füßen hatte und mit anderen Crews ausgetauscht hatten, konnten wir festhalten, daß wir soeben knapp 3 Stunden auf See mit Spitzenwindgeschwindigkeiten von 65 Knoten (das entspricht der Windstärke 12) überstanden haben.

Auch wenn wir es gut überstanden hatten, trafen die Ereignisse des Tages nicht wirklich unsere Definition von Spaß & Erholung - um so mehr haben wir das Abendessen in Fethiye - diesmal im Restaurant Ducks Pont - genossen. Empfehlenswert - das Restaurant!

Tag 6 wurde dann ein ruhiger Tag. Das Wetter war immer noch ein wenig durchwachsen; zum Baden fehlte ein wenig die Sonne - sonst hätten wir uns in Richtung Göcek aufgemacht und die dortigen Buchten erkundet. Letztendlich haben wir uns jedoch zu einem Hafentag entschlossen und von den Betreibern der Marina einen Taxifahrer vermittelt bekommen, welcher uns in die Geisterstadt Kayaköy brachte.

Die Stadt wurde bis zu den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts (klingt ganz schön alt...) von dem griechischen Teil der Bevölkerung bewohnt, welche die Stadt aufgab und nach Griechenland umsiedelte. Das Häuser wurden nicht mehr genutzt und das Holz der Fenster, Türen und Dächer verrottete. Heute steht die Stadt unter Denkmalschutz und kann einschließlich der gut erhaltenen Kirchen besichtigt werden.

Am Stadtrand fanden wir eine kleine Taverne. Dort gab es Pfannkuchen aus dem Steinofen in den verschiedensten Variationen. Ich hatte die Gelegenheit genutzt, einen Pfannkuchen mit Sesampaste zu probieren. Eine gute Entscheidung, aber auch so mächtig, daß Yvonne mir ebenso bei dem Pfannkuchen helfen mußte wie Markus bei Ellen. Das will schon was heißen...

An dieser Stelle ein Wort zu unserem Taxifahrer (der sich hier übrigens auch mit Pfannkuchen eingedeckt hat, den er allerdings erst nach Sonnenuntergang verzehren durfte): Normalerweise unterstellt man den südländischen Einwohnern eine nervenaufreibende und gefährliche Fahrweise. Diese Erfahrung mußten wir zum Glück nicht machen; ganz im Gegenteil - ich denke, wir sind nicht nur sicher, sondern auch noch ökologisch gefahren worden. Das hat auch Vorteile!

Gegen Abend sind wir wieder in die Stadt gegangen. Nach dem mächtigen Snack stand uns nicht unbedingt der Sinn nach einem Restaurant- Besuch. Naja, Markus kam schon ins Schwanken - aber mehr, als wir seinen Lieblingsshop mit dem Turkish Delight passierten. Letztendlich bestand aber unser Abendessen aus einem echten Döner. Sollte man schließlich auch einmal dort probieren, wo er herkommt.

Übrigens begleiteten uns auf unseren Landgängen immer wieder freilaufende Hunde; mal mit, mal ohne Halsband. Im Gegensatz zu Spanien hatten wir allerdings nicht das Gefühl, daß die einheimische Bevölkerung schlecht mit den Streunern umging und wir hatten auch keinen Hund getroffen, der unterernährt aussah.

Wenn sich uns ein Streuner angeschlossen hatte, dann bettelte dieser auch nicht offensichtlich, sondern hielt sich dezent zurück und freute sich, wenn dann doch etwas abfiel.

Irgendwann wurde es dem Hund dann zu langweilig und er / sie trabte dann mit einem neuen Ziel von dannen...

Tag 7. Kein Grund zur Hektik. Wir waren weniger als 10 NM von dem Heimathafen entfernt und hatten die Bootsübergabe für irgendwas um die 17 00 Uhr auf dem Schirm. Nach einem entspannten (und leckeren) Frühstück in der Yes Marina sind wir gegen Mittag aufgebrochen. Besser gesagt: Wir haben abgelegt.

Mit wenig Wind und hin und wieder mit Unterstützung der eisernen Genua haben wir einen Anker- und Schwimmstop in einer der zahlreichen Buchten südlich von Göcek eingelegt und es uns hier gut gehen lassen. Von hier aus war es nur noch ein Katzensprung nach Göcek - und dort machten wir gegen 18 00 Uhr auch fest.

Nun hieß es: Klar Schiff machen und den Kutter übergeben. Auch hier zeigt sich dann, ob der Vercharterer vor Ort in Ordnung ist oder nicht. Wir deklarierten unseren “Wasserdeckel- Verlust” und machten auf einige kleinere Mängel, die uns während des Törns aufgefallen sind, aufmerksam. Die Fock, welche bei der Übergabe bereits nicht 100 %ig gewesen war, wurde zum Segelmacher gebracht und repariert. Alles in Allem ging die Übergabe ohne Probleme über die Bühne und wir vereinbarten, daß wir bis zum nächsten Morgen noch auf dem Boot bleiben konnten - schließlich ging unser Flieger erst gegen Mittag.

Mit einem gelungenen Abendessen ließen wir den letzten Abend des Urlaubes ausklingen. Mal sehen, wohin es uns im nächsten Jahr verschlagen wird...

Sardinien 2004

Ein netter Urlaub stand an: Wir hatten uns mit 6 Leuten zusammen getan und auf Sardinien eine 42 Ft. Bavaria gechartert. Wir, das sind: Thilo als Skipper, Frank als Rental Car- Skipper, Markus als Leichtmatrose, meiner einer als Navigator, Stefan und Holger als Matrosen. Was auch immer, eigentlich hat jeder alles gemacht und der Skipper hat seinen Kopf hingehalten.

Am 15.05.2004 haben wir uns wie zufällig in Köln- Bonn getroffen und sind mit dem quietschgelben Flieger mit viel Spaß trotz der vielen Verbote (O- Ton der Stewardess) nach Olbia geflogen. Dort haben wir jedoch nicht den angebotenen Shuttle- Service der Charter Firma in Anspruch genommen, sondern haben eine Kleinwagen gemietet, der eigentlich mehr in die Rubrik “gummibereifte Kasperle Bude” fiel. Das war allerdings nicht weiter tragisch, denn unser Gedanke war auch gewesen, mit dem Vehikel die Vorräte einzukaufen. Wie sich hinterher im Gegensatz zu den anderen Charter Crews herausstellte, eine gute Idee.

Der Samstag war eh nicht mehr für einen Schlag eingeplant, und so haben Frank und Stefan nach dem Transfer die lokalen Supermärkte aufgesucht und waren stets bemüht, die in sie gesetzten Anforderungen zu unserer Zufriedenheit zu erfüllen. Will heißen: Keine Frikkos, keine Landjäger, keine Tütensuppen. Wasser bis zu Abwinken, eine Notration pfandfreier Bierdosen und diversen Backbord Bojen mit streckenweise unidentifizierbaren Inhalt. Ich hatte da auf einen Rüpelsheimer Nierentritt getippt, aber es war dann doch eine Südlage...

Gegen Abend waren wir dann soweit; Klamotten und Vorräte verstaut, Übergabe der “Elice” inkl. Einweisung war erledigt und mit einigen Stullen haben wir den Abend ruhig anklingen lassen.

Eigentlich hatten wir die Wochen und Monate vorher unsere Überlegung dahin gehen lassen, daß wir von Porto Rotondo Richtung Süden fahren wollten, aber der Mitarbeiter der Charterfirma hat uns zu verstehen gegeben, daß der Süden weniger reizvoll wäre als der Norden; bzw. Korsika. OK, schmeißen wir halt die Planung über Bord; noch sind wir ja nicht in dem Alter, wo Spontanität geplant werden muß.

Eine Sichtung der - teils historischen Karten - und das Ziel für den nächsten Tag stand fest: Palau. Thema Karten: Liebe Navi’s, die ihr vielleicht mitlest: Seit nett und tut der nachfolgenden Crew und besonders deren Nav den Gefallen und radiert Eure Eintragungen aus der Karte wieder raus. Und wenn ihr eintragt, benutzt bitte einen weichen Bleistift. Kugelschreiber ist ganz daneben. Das nur nebenbei...

Wo waren wir? Stimmt, daß Ziel stand fest. Palau. Sonntag ging es auch dann recht früh los. Um 10:00 haben wir den Hafen verlassen und wenige Minuten später waren die Lappen bereits oben und sind Richtung Norden aufgebrochen. Der Wind wehte zunächst mit 3 Bft. und frischte später auf 4 Bft. auf, so das wir uns entschieden, die Genua und Groß um jeweils 1/3 zu reduzieren.

Keine schlechte Idee, denn im Laufe des Nachmittages frischte es weiter auf geschätzte 4- 5 Bft auf. Ein Windmesser war leider nicht an Bord, so daß wir die Windstärke aufgrund der Angaben des Wetterfunks übernommen haben. Den mit uns schwimmenden Delfinen (nicht aus dem Fernsehen und nicht aus der Thunfischdose) hat das allerdings auch nichts ausgemacht.

Gegen 16:00 Uhr und knapp 33 SM sind wir dann in den Hafen von Palau eingelaufen und haben ohne Probleme “Römisch Katholisch” angelegt. Frank, der bereits im letzten Jahr um Elba herum die Gewässer verunsichert hatte, konnte hier schon auf eine gewisse Routine zurückgreifen. Trotzdem - oder gerade deshalb - konnten wir uns dann den ersten verdienten Anleger des Törns erfreuen.

Am Montag morgen kamen wir allerdings nicht ganz so gut aus dem Quark; das Ablegemanöver wurde dann “erst” gegen 10:30 eingeleitet. War aber auch nicht weiter tragisch, denn eine große Distanz hatten wir an diesem Tag nicht vor uns. “Nur” die Straße von Bonifatio. Laut Literatur eine viel befahrene Wasserstraße (Verkehrstrennungsgebiet) und bei entsprechenden Winden aufgrund des Düseneffektes zwischen Sardinien und Korsika nicht zu unterschätzen. Eigentlich hatten wir beides nicht; weit und breit kein Schiff und mit 4- 5 Bft. aus NE und gerefften Segel ging es rüber.Palau an der Nordspitze von Sardinien sollte für uns dann der Zwischenstop nach Korsika werden; hier hatten wir uns auf der anderen Seite den Hafen von Bonifatio ausgesucht. Welchen auch sonst?

Es ist schon beeindruckend, wenn man sich den Felsen von Bonifatio von der Seeseite her nähert und dann in den Naturhafen einfährt - bei schönstem Wetter, versteht sich.

 Hier schon recht früh in den Hafen einzufahren hat sich hinterher auch als eine gute Idee herausgestellt, denn nach und nach füllten sich die Reihen und einige interessante Manöver konnten beobachtet werden. Aber wie seltsam doch auch so manches Manöver angegangen wurde und wie unentspannt teilweise die Crew zu Gange war - eine helfende Hand der weiteren Gastlieger gab es immer.

Wer sich allerdings von dem herrlichen Wasser verführen lassen sollte, im Sommer einen Sprung ins Wasser zu machen, dem sei allerdings noch gesagt, daß ein gewisser Hinsicht die Hafenanlage noch entwicklungsfähig ist: Die Sanitäranlage (besser: Container) wurden gegen 20:00 geschlossen und erst gegen 09:00 wieder geöffnet. Für diesen Sonderservive wird dann noch ein Sonderobulus fällig; grundsätzlich kann man damit leben, aber wenn dann Duschen noch zusätzlich zum Liegeplatz mit € 2 zu Buche schlägt, kommt schon mal die Frage auf, ob hier Perrier aus den Hähnen fließt.

Genug gelästert; also - vor dem Sprung ins Wasser kurz die Faktoren Bordtoilette und Öffnungszeiten durch den Kopf gehen lassen...

Und nun zu etwas völlig anderem. Bonifatio ist nicht nur von der Seeseite, sondern auch von der Landseite beeindruckend. Schließlich waren wir früh genug dort, um einen ausgedehnten Spaziergang zu machen. Erst durch den Hafen, in welchem neben vielen Seglern auch einige Motoryachten lagen, deren Ausmaße mehr in die Richtung Kreuzfahrer gingen. Dann hinauf zur alten Festung, hinter deren Mauern sich die Oberstadt verborgen hat. Schon beeindruckend, was hier vor Jahrhunderten mit wenig Hilfsmitteln gebaut worden ist und heute noch Bestand hat.

Auf Anraten unserer Stegnachbarn, die zumindest den Eindruck erweckten, daß sie schon lange nicht mehr festen Boden unter den Füßen gehabt hatten, haben wir den Tip bekommen, doch weiter westlich die korsische Küste bis nach Propriano hoch zu segeln. Das wurde dann auch für den nächsten Morgen unser Ziel. als wir gegen 10:45 ablegten. Jaja, jeden Tag sind wir mit dem Ablegen bisher 15 Minuten weiter nach hinten gerutscht. Aber ehrlich: Keine Gezeiten zu beachten und sonst hatten wir eigentlich auch keine Verabredung. Außer, daß wir zum Abendessen wieder an Land sein wollten. Wie dem auch sei: Der Wetterbericht hat uns wieder netten Wind mit ebenso netten Wind und noch netteren Temperaturen angekündigt.

Mit NE 3-4 kamen wir recht zügig voran; lediglich gegen 13:00 verließ uns der Wind für ein Stündchen und der Jockel wurde angeworfen. Da unserer Skipper in den Augen von Markus sowieso ein wenig häufig unter Maschine fahren wollte, hat Markus doch den Vorschlag gemacht, beim nächsten Törn besser gleich ein Motorboot zu mieten. Diese kleinen Sticheleien wirken zumindest dahingehend, daß bei den ersten Anzeichen von Wind die Segel wieder ausgerollt wurden - auch wenn absehbar war, daß wir nicht sofort mit 7- 8 Knoten loslegen.

Gegen 16:50 hatten wir dann Propriano erreicht und waren uns nicht sicher, wo wir denn anlegen sollten. Dieses Problem wurde durch den Hafenmeister schnell gelöst, der mit seinem Schlauchboot zu uns kam und uns verständlich machte, daß wir ihm folgen sollten. Allerdings geleitete er uns nicht in den Hafen, sondern an den Außenkai; wie wir später erfuhren, wird der Yachthafen derzeit ausgebaggert und ist daher nur eingeschränkt nutzbar.

Immerhin ein Novum: Zum ersten Mal haben wir nicht römisch katholisch, sondern mit der Seite angelegt. Gibt es also auch im Mittelmeer. Zu unserer Überraschung waren unsere direkten Nachbarn die gleichen wie in Bonifatio; selbige, welche uns den Tip mit Propriano gegeben hatten.

Das Bedürfnis der Körperpflege in Form einer Dusche konnte auch hier nicht gestillt werden, da auch hier die Sanitärräume bereits verschlossen waren. Frank und Markus kamen dann halt auf die Idee, hierfür die eingebaute Heckdusche zu verwenden. Thilo, der sich zu dieser Zeit mit unserer Nachbarin am Steg unterhielt, wunderte sich, daß sie schlagartig dem Gespräch sehr unkonzentriert folgte. Kein Wunder, denn Frank wollte beim Duschen seine Badehose nicht dreckig machen und hat sich gleich ausgelassen...

Zur Ergänzung mit den Sanitärräume sei noch gesagt: Öffnung wieder ab 09:00 - und Duschen kostet mal wieder € 2 extra. Schwimmen in Hafennähe würde ich daher nicht; zumindest erst deutlich nach 09:00 Uhr.

Die Stadt liegt zwar sehr nett in einer großen Bucht, die von Bergen umgeben ist, aber wirklich viel war in dem Ort nicht los. Es hatte den Anschein, als wenn sich das Leben auf der Hafenstraße auf einer Länge von 500 Metern abspielte. Da uns nicht nach Kochen war und wir uns die Beine vertreten wollten, haben wir einen Stadtrundgang gemacht, der allerdings auch schnell zu Ende war Mangels weiterer Stadt. War auch nicht schlimm, denn in einer Seitenstraße fanden wir ein kleines Restaurant - “L’Alize” - und haben hier vorzüglich gespeist und ebenso vorzügliches korsisches Bier und Wein genossen. Die These, daß die besten Restaurants meist ein wenig abseits liegen, hat sich zu unserer Zufriedenheit bestätigt.

Ein neuer Tag - und wieder super Wetter. Unglaublich, eigentlich sind wir soviel Sonne schon lange nicht mehr gewohnt und so langsam haben wir uns mit diesem blöden, blauen Himmel abgefunden. Skipper Thilo wurde ein wenig unruhig, denn wir hatten bereits gegen die goldene Regel verstoßen, nach 1/3 der Zeit noch nicht wieder auf dem Rückweg zu sein. Die Wind- und Wetteraussichten haben ihn aber wieder beruhigt und gegen 10:15 haben wir abgelegt. Als grobe Richtung war wieder die Straße von Bonifatio auf dem Plan und im Weiteren Verlauf entschieden wir uns, direkt wieder nach Sardinen zu fahren. Als Hafen haben wir Santa Teresa de Gallura auserkoren.

Mit recht wenig Wind (maximal 2) ging es gemächlich auf ein Neues durch das Verkehrstrennungsgebiet. Als Abwechslung haben wir über Funk die Ankündigung von “Trafic Control” erhalten, daß ein Frachtschiff und ein Militärschiff von unterschiedlichen Seiten einfahren.

Der Weg ist das Ziel; Luftlinie wäre es ein Katzensprung gewesen, aber durch eine ungünstige Windrichtung haben wir den Tag mit Kreuzen verbracht. Das war jedoch nicht weiter tragisch - außer für Holger, der die Langeweile mit einer verstärkten Nahrungsaufnahme überbrückte und Thilo, der sich bereits Sorgen um die schwindenden Essensvorräte machen mußte. Entspannt bleiben - bisher haben wir immer noch eine Einkaufsmöglichkeit für die Grundnahrungsmittel gefunden.

Gegen 18:15 haben wir in Santa Teresa nach einer etwas hektischen Einfahrt in den Hafen festgemacht. Eine der vielen Fähren, denen man zumindest nachsagt, daß sie auch Sportboote keine Rücksicht nehmen, fuhr ebenfalls und ungebremst in den Hafen ein - und wirklich breit ist die Einfahrt dann nicht mehr.

Auch hier wurden wir wieder von einem Hafenmeister empfangen, welcher uns einen Liegeplatz zugewiesen hat. Nach einem erfolgreichen Anlegemanöver wurde selbstverständlich auch ein Anleger getrunken. Dabei wurde uns dann bewusst, daß wir zwar Trinkwasservorräte für die Durchquerung der Sahara dabei hatten, aber die Bierdosen bereits das Prädikat “knapp” bekamen.

Die Hafenanlage befand sich zwar noch im Bau, aber man konnte bereits sehen, daß diese nach Fertigstellung durchaus sehr reizvoll wird. Rund um den Hafen sind Ferienhaus- Siedlungen platziert; am Ende des Hafens sind eine Reihe von Geschäften und Restaurants ansässig. Vielleicht lag es daran, daß die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen waren - wir haben hier mit Abstand die niedrigste Liegeplatz Gebühr des Urlaubes bezahlt: 9 Euro. Kommentar des Skippers: Hier bleiben wir die nächsten 3 Tage. Na, denn - spare Dich reich...

Der Weg in das Stadtzentrum war etwas umständlich; nach Umrundung des Hafenbeckens war ein Hügel zu erklimmen - und dort war das Stadtzentrum, welches offensichtlich sehr aufwändig renoviert wurde und einen sehr gepflegten Eindruck hinterlassen hat. Zur eigentlichen Sommersaison, wenn die Straßen auch mit Menschen belebt sind, kann man sich das sehr angenehm vorstellen. Wir haben uns es jedoch nicht nehmen lassen, in einer der wenigen geöffneten Kneipen einzukehren und von dem Sardischen Bier zu nippen. Wer übrigens (noch) der Meinung ist, Bierbrauen können nur Germanen & Nachfahren: Erst testen. Dann urteilen.

So langsam neigte sich unser Urlaub unweigerlich zu Ende und es galt, den letzten Hafen vor Porto Rotondo auszusuchen. Thilo wollte eigentlich noch einen Abstecher nach Port Cervo machen, vielleicht, um einen Blick auf die Schönen und Reichen zu werden (Ach, so, wir sind ihm nicht mehr gut genug) oder wenigstens mal an einem bronzenen Poller festzumachen. Mehrheitlich haben wir jedoch den Catwalk abgelehnt und anstelle dessen uns Cala Cavette ausgesucht. Theoretisch auch wieder ein Katzensprung, wenn da nicht der Wind gewesen wäre. Aber das gehört eben dazu wie das Salz in der Suppe und statt dem direkten Weg hieß es wieder fleißig kreuzen zwischen der Inselwelt an der Nordspitze Sardiniens.

Das Wind und Wetter wieder sehr schön waren, müsste man nach den bisherigen Tagen wahrscheinlich nicht erwähnen; es konnte ja auch nicht anders sein, den jeder hat seine Bestellung hierzu konkret beschrieben - und dann kann nichts mehr schiefgehen!

Skipper Thilo, bislang sehr ausgeglichen, wurde ein wenig hektisch, als wir eine Durchfahrt zwischen 2 Inseln mit einigen Untiefen passieren mussten. Von meiner Warte am Navigationstisch hatte ich eigentlich jede Bewegung des Schiffes auf der Karte, aber aus irgendwelchen Gründen machte ihn die Situation so nervös, das er die diversen Segeltrimmversuche von Markus und Frank unterbrach und mehrfach unsere Position in der Karte überprüfte. Das war der Moment, als der Begriff des “orgastischen Eichhörnchens” geboren wurde...

Wie dem auch sein, die Durchfahrt stellte kein Problem dar und mit auf 3 auffrischenden Wind ging es Richtung Cavetta. Die Hafeneinfahrt gegen 18:30 in Sicht, trafen wir die Vorbereitungen für das Anlegemanöver. Hier hat dann Holger endgültig Markus seinen Ruf als gefräßige Raupe abspenstig gemacht: Während der Rest mit Fendern und Tampen schon mal sein Position einnahm, verzog sich Holger unter Deck und erschein wenige Minuten später mit 2 Nutella Stullen wieder an Deck. Auch wenn sein Job die Mooringleine war und diese erst zum Ende des Anlegemanövers belegt werden musste, konnten wir es kaum fassen...

Macht aber nichts - Punkt 19:00 lagen wir im Hafen, bestens bewacht von mehreren Zoll- und Polizeibooten. Nach dem obligatorischen Anleger haben uns zur Erkundung der Stadt aufgemacht und wurden positiv überrascht: Im Gegensatz zu den bisherigen Häfen war hier richtig was los. Eine belebte Einkaufsstraße, zahllose Geschäfte, noch mehr Restaurants und ein Open Air Konzert eines Gospel- Chores, der sich auch der Interpretation von Pop- Musik annahm.

Laut Reiseführer kommen die Leute sogar mit der Fähre von Korsika, um hier abzufeiern und mit der letzten Fähre nachts wieder nach Hause zu fahren; vielleicht hat aber auch eine nahe Marinebasis zu der belebten Szenerie beigetragen.

Langweile ist jedenfalls nicht aufgekommen und nach einem guten und interessanten Abendessen haben wir uns noch ein ganze Weile in der Innenstadt aufgehalten.

Gegen 11:45 hatten wir alles zusammen und haben abgelegt. Leider konnten wir unsere ursprünglich geplante Route zum Heimathafen nicht nehmen; hier hat die örtliche WSP aus welchen Gründen auch immer den Wasserweg gesperrt. Da wir nun mal in kurzen Entschlüssen erprobt sind, wurde die Route kurzerhand geändert. Mit wenigen Schlägen und später gerefften Segeln waren wir noch einen schönen windigen Tag auf dem Meer und hatten hier noch die Gelegenheit, ein Wasserflugzeug, welches zur Brandbekämpfung eingesetzt wird, bei eine Wasserbetankungsübung zu beobachten. Delfine wären mir zwar lieber gewesen, aber man nimmt schon mal, was kommt.Unweigerlich der letzte Segeltag. Für heute stand die Rückkehr nach Porto Rotondo auf dem Plan. Die Distanz war nicht allzu weit, der Wind günstig. SE 3, auffrischend auf 4 haben die Wetterfrösche gequakt. Also kein Grund, mit dem ersten Hahnenschrei aus der Koje zu fallen und in Hektik zu verfallen. Nach einem gemütlichen Frühstück haben wir einen Einkaufs- Bummel auf den Planer gesetzt und sind erst einmal wieder Richtung Innenstadt losgezogen.

Ohne besondere Vorkommnisse waren wir unterwegs. Thilo war entspannt, Markus hat den Motor kaum gehört, Holger hatte genug zu essen, Frank konnte wieder ohne Sunblocker am Ruder strahlen, Stefan hat die Zeit genossen und meiner einer vergnügte sich mal mit GPS und Karten.

Gegen 17:30 erreichten wir den Hafen und beschlossen, die Gelegenheit zu nutzen, unseren Tank Dieseltank aufzufüllen. Die Zapfsäule hatte ein recht eigentümliches Zählwerk, die Schläuche erweckten mehr den Anschein, daß hier Flugzeuge betankt werden und nach angezeigten 4 Litern lief der Tank über. Überschlägig gerechnet brauchten wir allerdings ca. 40 Liter und zunächst wurde der Fehler in der Entlüftung des Tanks gesucht. Bis wir dahinter kamen, daß nicht 4, sondern 40 Liter getankt wurden...

Der Käptn der Zapfsäule war gleichzeitig auch Käptn des Hafens - und so war es nach der Aktion kein Wunder, daß er uns in sein Herz einschloss und als 2. Tat erst einmal nach dem erfolgten Anlegen aufforderte, wieder abzulegen und einen anderen Liegeplatz zu nutzen. Die Tatsache, daß er außer dem sardischen Dialekt keine Fremdsprache beherrschte, machte die Kommunikation auch nicht einfacher.

Den letzten Abend haben wir uns nicht versauen lassen und es positiv gesehen: So hatten wir noch einmal Gelegenheit, eine römisch katholischen Anleger mit Wind auf dem Bug zu fahren - und damit hatte jeder von uns während des Törns einen Anleger gefahren. Damit konnten wir dann auch festhalten: Alle Manöver sind ohne Schäden über die Bühne gegangen.

Aus den geheimen Vorräten von Frank waren wie durch ein Wunder noch einige Dosen Bier aufgetaucht, so das wir dann doch nicht - wie befürchtet - einen Anleger mit “Rüpelsheimer Nierentritt” begießen mussten.

Nachdem wir Klar Schiff gemacht hatten - die Übergabe sollte am nächsten Morgen recht früh erfolgen - suchten wir ein örtliches Restaurant auf, um hier einen kulinarischen Abschluss der Fahrt zu genießen. Keine Frage - auch nach diesem Restaurant Besuch hat sich Holger erst mal eine Stulle geschmiert...

Danke an Markus für die erste Auswahl an Bildern - und die Crew, daß sie zu einem harmonischen Törn beigetragen hat!Tja, der nächste Tag hatte mir Segeln nichts mehr zu tun - ab ins Taxi, auf zum Flughafen Olbia und nach Hause - und dann verstreuten wir uns wieder ebenso, wie wir uns eine Woche zuvor getroffen hatten.

Mallorca 2005

Oktober ist eigentlich eine gute Zeit. Auch zum Segeln. Und erst recht im Mittelmeer. Vor dem Winter noch mal nett Sonne tanken und dabei eine Runde segeln gehen.

Diesmal fiel unsere Wahl auf Mallorca. Wir, das sind Yvonne, Markus, Ellen und ich. Gegenüber den Vorjahren ist die Crew etwas übersichtlicher ausgefallen. Bei Thilo hatte der Nachwuchs eindeutig Vorrang (über das Vater- Kind seglen denken wir aber noch mal nach) und Frank hatte irgendwelche Probleme mit irgendwas, was aber nicht weiter wichtig ist.

Los ging es am 01. Oktober. Über Poolyachts; bzw. KP Winter hatten wir eine Sun Odessey 34,2 für eine Woche gechartert und in C’an Pastilla gegen Mittag übernommen. Nach der Einweisung, dem obligatorischen Einkauf und der Bunkerung der festen und flüssigen Vorräte ging es schon (oder erst) am frühen Nachmittag los. Kurz vor Markus ersten Snack...

 

Bereits hier machte sich zum Thema Wetter ein leiser Verdacht breit. Irgendwie stimmten die Windstärken- und Richtungen nicht mit dem Wetterbericht und die Wetterberichte wiederum untereinander nicht überein.Wetter war prima, leichter Wind und wenig Welle in der Bucht von Palma. Einziger Haken an der Sache: Um die Bucht von Palma zu verlassen, mußten wir kreuzen. Für Yvonne ist die Kathedrale von Palma zum Trauma geworden; sie war hinterher fest davon überzeugt, daß diese ein Fake ist und auf Schiene von Hüh nach Hott geschoben wird - eben weil man sie ständig und immer wieder sah...

 Weder das Insel Radio mit dem Seewetterbericht, noch das WAP - Wetter von Wetteronline.de, noch das täglich vom Vercharterer per SMS verschickte Wetter; bzw. die angekündigten Windrichtungen- und Stärken trafen zu. Sozusagen 3 Wetter Quellen mit 5 verschiedenen Richtungen und 7 verschiedenen Stärken.

Macht aber erst mal nix - nach ewigen Kreuzen haben wir uns als Nachtquartier den Hafen von Porta Portals ausgeguckt. Übrigens noch in Sichtweite der Kathedrale. Nach der ersten Runde im Hafen und keinem gesichteten Marinero kam ich dann auf den Gedanken, uns über den an der Einfahrt angegebenen VHF Kanal anzumelden. War aber keine gute Idee, wie sich später herausstellte. Eine der ersten Fragen war die Frage nach der Bootslänge. 9,99 m. Unmittelbar danach gab es die Absage Mangels Platz. Ist klar - Platz wäre schon (reichlich) gewesen, aber vermutlich war unser Kutter nicht in der Preis- und Größenordnung, welche man hier als Gast haben wollte. Für den nächsten Anlauf wissen wir Bescheid; das Funkgerät wird gemieden!

Alternativ Häfen wären Palma und St. Ponsa gewesen; in Anbetracht unserer eigentlichen Route wurden diese nicht wirklich in engere Erwägung gezogen. Wir haben uns dann entschlossen, unmittelbar vor der Hafeneinfahrt zu übernachten und haben dort den Anker geworfen. Übrigens eine Premiere, denn bislang wurde auf den Törns das Ankern gemieden...

Nachdem wir uns vergewissert hatten, daß der Anker hielt, bei beiden GPS Geräte (beide unter Deck, damit der Rudergänger auch ja auf den Nav angewiesen ist) der Anker Alarm aktiviert wurde, ließen wir unser Dingi mit dem 2,5 PS Hochleistungs- Außenborder zu Wasser.

Wieder in den Hafen und zwischen den Stegen an die Mole und dort hoch. Ein zufällig anwesender Polizist hat sicherlich schon das Schlimmste befürchtet, als Personen im Outdoor- Outfit die Mauer aus dem Schlauchboot erklommen, realisierte aber dann doch, daß die marokkanische Grenze ein wenig zu weit für dieses Boot ist.

Beim obligatorischen Bummel über die Promenade wurde Markus immer unleidlicher; ein sicheres Zeichen, daß er Hunger hatte (allerdings - wann hat er mal keinen?). Unsere Wahl fiel auf eine nette Außenterasse mit gemischten Publikum. Nach einem übersichtlichen Essen mit weniger übersichtlichen Preisen war dann endgültig auch klar, daß man hier nicht unbedingt noch einmal hin müsste.

Tag 2 begann recht angenehm und sollte uns eigentlich nach Cabrera bringen, da wir auch für ein entsprechendes Permit hatten. Daraus wurde dann leider nicht viel. Mit ein wenig Regen durchquerten wir bei NE 4- 5 wieder die Bucht von Palma, um dann auffrischende Winde in Böen bis 8 zu geniessen. War aber nicht so schlimm wie es liest; ausser, daß eine Böenwalze unter einer Regenwolke das Boot mal kurz auf die Backe legte und den Relingsdraht benässte.

Nach knapp 28 NM erreichten wir unser Tagesziel mit dem Hafen von Sa Rapita. Auch hier hatten wir zunächst Bedenken, keinen Liegeplatz mehr zu bekommen, bis ein berittener Marinero auf seinem eindeutig nicht STVZO- konformen Mofa sich bemerkbar machte und uns einen Liegeplatz zuwies. Angelegt im Päckchen, Anleger geöffnet. San Miguell schmeckt übrigens aus der Dose nach selbiger, wenn es nicht richtig kalt ist...

Wir entschieden uns für eine kleine Wanderung in Richtung der Küste entlang der Hauptstrasse und stiessen nach einigen Minuten strammen (und nörgelnden) Schrittes das Restaurant C’an Pep. Hier gab es so ziemlich alle Fischgerichte und der Blick in die offene Küche zeigte auch, daß die Zubereitung frisch erfolgt. Sehr zu empfehlen!Nach der mehr oder minder erfolglosen Rekultivierung ging die obligatorische Nahrungssuche wieder los. Die Cantina neben dem Supermarkt hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht entdeckt und das am Hauptor ansässige Restaurant machte auf uns nicht den Eindruck der von uns gewünschte Athmosphäre.

Tag 3 brach an und wir auf - in Richtung Cala D’or. Mit wechselnden 2- 5 Bft, mal eingerefft, mal ausgerefft. Aber immer leise, um den leichten Schlaf des Skippers nicht zu stören. Während andere nach einem Snack zur Zigarette greifen, legt er sich lieber was hin. Ist auch gesünder - wenn der Snack nicht meist wenige Minuten nach dem Auslaufen anstand...

Natürlich kamen wir auch an Cala Figuera vorbei. Einrahmt in ein Bucht liegt das Dorf mit dem Hafen direkt an der Steilküste. Auch wenn wir hier nicht übernachten wollten, haben wir zumindest einen Blick auf eindrucksvolle Umgebung geworfen.

Weiter ging es die Ostküste entlang. Ein Blick in die Cala Mondrago (aber diesmal noch nicht mehr); nächster Zwischenstop Porto Pedro. Auch nur zum gucken. Porto Pedro ist ein geschützer Hafen, der jedoch streckenweise recht flach ist und - lt. Balearentörnführer - für viel Geld wenig bietet. Dafür waren die beiden Segler aber schon ein echter Hingucker!

Zur Nahrungsaufnahme haben wir es dann vorgezogen, anstelle der anliegenden Hafenrestaurants die Fußgängerzone zu besuchen und dort in ein Steak House einzukehren. Anschließend sind wir noch zur Cocktail Bar gegenüber dem Mini- Golf Platz gegangen. Wer schon mal in Cala D’or gewesen ist, weiß, daß es sich hier weniger um normale Gläser als um wahre Kunstwerke handelt. Ein Erlebnis!Bis zu unserem eigentlichen Etappenziel, Cala D’or, war es nicht mehr weit und gegen 19:00 Uhr konnte auf den erfolgreichen Anleger angestoßen werden. Übrigens war die Liegegebühr entgegen der Warnung des Baleraren Törn Führers doch nicht exorbitant hoch.

Ein Erlebnis waren übrigens auch unsere Steg Nachbarn, die mit ihren schwimmenden Wohncontainern wenige Meter weiter festgemacht hatte. Bis tief in die Nacht wurde das Hafenbecken mit einer Mischung aus Wolfgang Petry und Andrea Berg beschallt - erst eine wenig humorige Mischung aus Marinero und Guardia Civil hat dem Partytreiben ein Ende gemacht. Ich frag mich zwar immer noch, welchen Sinn eine dunkle Sonnenbrille mitten in der Nacht macht, aber es scheint Eindruck gemacht zu haben...

Tag 4 brachte zwar wieder einen bewölkten Himmel, dafür aber - wie die übrigen Tage auch schon - angenehme 25°. Mit Hinblick auf die unterschiedlichen Wind- und Wettervorhersagen einigten wir uns auf “umlaufende Winde mit schwankender Stärke”. Leider nicht wirklich passend für unser eigentliches Ziel Menorca, welches wir an diesem Morgen dann endgültig vom Plan gestrichen haben.

Dafür hatten wir dann Porto Cristo ausgeguckt. Mit gemütlichen 2- 3 Bft. machten wir uns auf den Weg, die uns allerdings bei dem etwas ausgelutschtem Rollgroß trotz Markus hervorragender Trimmkunst kaum über 4 Knoten beschleunigten. Macht aber nichts, schließlich ist der Weg das Ziel.

Am frühen Nachmittag haben wir in der Cala Barcas den Anker geworfen und einen Badestop eingelegt. Das war aber nur eingeschränkt eine gute Idee, da ein Rudel Feuerquallen sich ebenfalls diese Bucht für einen Betriebsausflug ausgesucht hatte. Leider hatte ich das erst im Wasser beim Durchqueren der Tentakel realisiert. Man kann halt nicht immer gewinnen...

Nach einem kurzen Abstecher mit dem Dingi zum (quallenfreien) Strand ging es wieder weiter nach Porto Cristo, wo wir gegen 18:00 auf den Anleger anstoßen konnten. Der Weg vom Liegeplatz zur gegenüber liegenden Promenade war nicht wirklich kurz, da wir das gesamt Hafenbecken umrunden mussten; wir trösteten uns jedoch damit, daß dies auf dem Rückweg ein netter Verdauungsspaziergang ist.

Auch wenn Porto Cristo nicht unbedingt in dem Ruf steht, ein schönes Dorf zu sein, haben wir doch festgestellt, daß es sich noch ein wenig Ursprünglichkeit abseits des Touristenstromes bewahrt zu haben und einen eigenen Charme entfaltet. Dies und die Tatsache, daß wir durch den Fortfall des Zieles Menorca ein wenig im Zeitplan voraus lagen, hat uns dann auch bewogen, den nächsten Tag ein wenig ruhiger angehen zu lassen. Wer es an dieser Stelle übrigens bereits vermisst haben sollte: Selbstverständlich haben wir noch ein nettes Restaurant gefunden. Mit Meerblick vom Felsen. Die gegrillten Sardinen waren einfach ein Traum!

Tag 5 wurde eine ruhiger Tag. Gemütlich gefrühstückt, den Nachbarn bei Ihren mehr oder minder hektischen Ablegemanövern zugeschaut, das Dingi zu Wasser gelassen und auf die andere Seite ins Zentrum gepaddelt. Mit 4 Personen in dem Radiergummi fehlt der Platz zum Rudern. Shopping stand ganz oben an, denn die Kinder von Markus und Ellen, Philip und Franzi, waren die ganzen Tage schon heiß auf Geschenke von der Insel. Es war schon interessant, die Beiden bei der Auswahl zu beobachten. Und Philip hat nun doch seine Steinschleuder bekommen...

Die alte Regel “1/3 für den Hinweg und 2/3 für den Rückweg” war uns schon gegenwärtig, aber in Anbetracht der für den Hinweg widrigen Windverhältnisse hatten wir uns entschlossen, von hier aus wieder den Rückweg nach C’an Pastilla anzutreten.

Abgelegt hatten wir gegen 15:00 Uhr; zu dieser Zeit kamen die ersten Boote für den Abend schon wieder in den Hafen. Mit wenig Wind, dafür dann aber mit der eisernen Genua sind wir Richtung Süden aufgebrochen. Zwischen Porto Pedro und Cala Fuguera liegt eine kleine Bucht, die Cala Mondrago, welche wir für die Nacht ausgeguckt hatten.

Leider hatten noch mehrere Skipper die Idee gehabt, hier zu übernachten und so konnten wir nicht unmittelbar zu den beiden Stränden den Anker werfen, sondern inmitten der Einfahrt. Zunächst sah alles ganz gut aus; der im Wetterbericht angekündigte Wind aus N mit 3 Bft. war optimal für die Bucht, welche lediglich nach Osten hin offen ist. Wir hätten eigentlich Zweifel haben soll, ob die Windvorhersage zutrifft. Kurz nach Sonnenuntergang drehte der Wind auf E und frischte auf. Mit dem Erfolg, daß Schwell in die Bucht kam, der uns im Verlaufe des Abends vor allem unter Deck sehr zu schaffen machte.

So ziemlich keiner von uns hat durchgehend geschlafen; immer wieder wurde man von polternden Gegenständen aus den Schränken oder dem dringenden Verlangen nach Frischluft geweckt. Auch hatten sich andere Boote in der Bucht mitten in der Nacht entschieden, den Anker zu lichten und dann doch einen geschützten Hafen anzulaufen.

Die gute Seite: An keinem anderen Tag waren wir so früh auf, daß wir einen Sonnenaufgang über dem Meer beobachten konnten. Heute schon!

Tag 6 begann damit auch recht früh. Gegen 10:00 war der Anker oben und unter Motor ging es wieder los in Richtung Süden.Der Wind war mit maximal 2 Bft. nicht wirklich stark und wir vertrieben uns die Zeit auf dem Wasser mit abwechseln Segel setzen, einholen, Motor starten und wieder ausmachen. Und natürlich auch mit den obligatorischen, kulinarischen Spezialitäten. Dafür kam die Sonne deutlich zum Vorschein.

Auf dem Plan stand die Cala Pi, die zumindest lt. Törnführer eine der schönsten Buchten in Mallorca ist. Mag auch durchaus sein, daß sie es ist - allerdings haben wir nicht viel davon gesehen, da auch hier wir nicht die Einzigen gewesen sind, die auf diese Idee gekommen sind. Bereits in der Einfahrt ankerten mehrere Yachten. Irgendwie haben solche Törnführer auch den Nachteil, daß ein Geheimtip dann keiner mehr ist.

Unseren ursprünglichen Plan, hier über Nacht zu ankern, hatten wir dann auch schnell wieder aufgegeben - zumal die noch frischen Erinnerungen an die durchgeschaukelte letzte Nacht allen gut vor Augen waren.

Alternative: Sa Rapita. Da waren wir zwar schon mal gewesen - aber die Aussicht auf das traumhafte Essen bei Pep hat alle Wiederholungstäter- Vorurteile vom Tisch geschoben.

Gegen 18:00 Uhr wurde am zugewiesen Liegplatz des Wartekai’s festgemacht - und mit dem Anleger wurde uns eine interessante Darbeitung geboten: Durch die Hafeneinfahrt kam eine Charteryacht. Ob die Anlegen oder nur Gucken wollte, war nicht ersichtlich - zumindest hingen keine Fender drausen. Wenige Sekunden später wurde es aber dann doch hektisch auf dem Schiff und mit Oma’s bewährten Häkelknoten wurden Fender in loser Reihenfolge und unterschiedlichen Höhen angebracht. Ah, man wollte also doch verweilen!

Im 7. Anlauf und vor den Augen der Marineros, die eine Mischung von erheitert und verzweifelt darstellten, kam das Heck dann doch zur Pier. Der Marinero forderte dazu auf, die Heckleine überzuwerfen. Die kam dann auch. Komplett.

Auch wenn die besten Kapitäne grundsätzlich immer an Land sind - das war dann doch schon ein Paradebeispiel, daß es Sinn macht, anstehende Manöver mit seiner Crew zu besprechen und die Rollen im Vorfeld aufzuteilen.

Nach dieser Einlage und einer kurzen Rekultivierung machten wir uns (wieder) auf zu C’an Pep. Es gab noch reichlich Gerichte, die wir noch nicht probiert hatten und auch wenn wir nicht alle schaffen könnten, so sollte es an diesem Abend die gemischte Fischplatte sein. Ein Traum! Wer in die Gegend kommt, sollte dort unbedingt einen Happen zu sich nehmen!

Wenig spektakulär hingegen war die Planung für den Tag 7. Unsere Vorgabe war, bis 18:00 wieder in C’an Pastilla zu sein und das Boot zu übergeben. Allerdings hat uns das wirklich tolle Wetter zu einem Badestop eingeladen - sozusagen wenige Meter vor der Hafeneinfahrt von Sa Rapita. Diesmal ohne Feuerquallen!

Gegen 13:00 drängte dann langsam die Zeit - nicht aber der Wind. Mit knapp 2 Bft. sah es nicht so aus, als wenn wir an diesem unserem letzten Urlaubstag lange und viel unter Seglen fahren könnten. Schade, aber das ist leider nicht zu ändern. Wie schon am Tag zuvor setzten und bargen wir abwechseln die Segel um dann doch letztendlich die Bucht von Palma unter Motor zu durchqueren.

Tja, alles hat ein Ende und gegen 18:20 und nach insgesamt 156 NM legten wir zum letzten Mal in diesem Urlaub in C’an Pastilla an.

Wie an den anderen Tagen auch, ohne Hektik und ohne laute Zurufe. Das Zusammenspiel klappte auch bei diesem Manöver und so konnten wir nach dem letzten Anleger die Yacht ohne Defekte an den Vercharterer zurück geben. Naja, fast ohne Defekte. Das Hecklicht hatte sich bereits am 1. Tag verabschiedet und die Kunststoff Verkleidung der Lautsprecherbox in der Plicht, angebracht in Fußhöhe, hat es leider nicht unbeschädigt überstanden. Aber wir waren nicht die Ersten, die hiermit auf Kriegsfuß standen und werden wohl auch nicht die Letzten gewesen sein.

Da der Rückflug bereits um 09:00 am nächsten Tag anstand und wir mit einem verlängertem Einchecken rechneten (wir hatten uns noch als Flugpaten für die “Luftbrücke für Hunde” zur Verfügung gestellt), waren wir ein wenig früher in unseren Kojen.Die letzte Nacht konnten wir noch auf dem Schiff verbringen und den letzten Abend genossen wir in einem netten Hafenrestaurant - das alles keine Schnitte hatte, um an “Pep” heranzukommen. Wie auch?

Unser Fazit: Ein harmonischer Urlaub mit abwechslungsreichen, aber angenehm warmen Wetter in einer beeindruckenden Umgebung. Nix Ballermann und nix Camping-auf-dem-Wasser.

Nächstes Jahr geht es wieder los!

Ostsee 2003

Am 26.04.2003 haben wir in Heiligenhafen uns mit 2 Yachten in Richtung Dänemark aufgemacht.

Auf dem einen Boot überwiegend Segellehrer, auf dem anderen Boot die ehemaligen Schüler; unschwer an den “Meisterjäger”- Shirts zu erkennen. 

Die erste Etappe brachte uns nach Bagenkop; leider die meiste Zeit unter Motor. Wer darüber nachdenkt, dort Station zu machen: Der Industriehafen von Dünkirchen hat mehr Charme. Aus heutiger Sicht würde ich den Schlenker nach Marstal deutlich vorziehen.

Von Bagenkop aus konnten wir ein wenig segeln und erreichen Spodsberge.

Der nächste Tag brachte uns nach Korsör, einer netten Stadt im Schatten der riesigen Brücke. Von dort aus ging es wieder Richtung Süden nach Lohals, welches wir dann mit knapp 8 Bft, aber leider mit klemmender Rollfock, dann doch erreichten.

Der nächste Tag brachte uns bei deutlich weniger Wind nach Svendborg, einer schönen Stadt. Der weitere Rückweg führte uns über Marstal zurück nach Heiligenhafen, wo wir noch das Hafenfest mitfeiern konnten. He, der Gitarrist der Coverband “Glam” war wirklich der von Illegal 2001!